Wie alles begann...
Eines Tages erreichte Brillat-Savarin eine Vorladung des Revolutionstribunals der Jakobiner.
Dort rollten bekanntlich unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Köpfe berühmter
Leute. Zu Pferd machte er sich auf nach Dole, um ein Dokument zu bekommen, das ihm freies
Geleit garantierte. Auf dieser Reise genoß er in einem Dorfgasthof eine Mahlzeit aus vollem
Herzen, die er der Nachwelt überlieferte:
Hühnerfrikassee mit Trüffeln, am Spieß gebratene
Wachteln, Regenpfeifer und Hahn. Als Dessert bekam er Vanillecreme, Käse und Früchte. Zu
diesem Menü bestellte sich Brillat Savarin zuerst einen leichten granatroten Wein, später l'Hermitage,
noch später Strohwein, der ebenso süß wie feurig war, Kaffee und als Digestif Liköre aus
Verdun.
Brillat Savarin bekam sein Dokument. Nachdem in Frankreich die Jakobiner gestürzt
waren (1795), ging er nach Hause zurück, wurde schließlich unter Napoleon zum Richter berufen -
ein Amt, das er unangefochten 25 Jahre lang bis zu seinem Tod ausübte und ihm Muße genug ließ,
sich als erster Mann der Feder der "Gastrosophie" zu widmen, seiner Feinschmecker-Philosophie,
die Brillat-Savarin als 70-jährigen Richter im Senat des Pariser Appellationsgerichtshofes über Nacht
berühmt machte.
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